Donnerstag, 24. Oktober 2013

Süßes Leben in Sri Lanka – Teil1: Wanderung auf den Adam's Peak

Juhu Ihr Lieben, ich befinde mich gerade im schönen Sri Lanka und werde darum ein paar Reise-Blog-Beiträge in diesen Pâtisserie-Blog einfließen lassen. Sri Lanka hat nämlich nicht nur fantastische Süßspeisen, sondern auch ein tolles Klima von Meer bis Bergen zu bieten!
Die Idee, nach Sri Lanka zu fahren und hier ein Pâtisserie-Praktikum zu machen, ergab sich so, dass ich an Ostern bei meinen Eltern war und wir anlässlich der vorletzten PamK-Aktion über unsere Kindheitserinnerungen gesprochen haben. Wir hatten gerade Besuch von Singhalesischen Freunden aus Zürich, und mussten feststellen, dass unser Vater einige Kindheitserinnerungen an Süßigkeiten aus Sri Lanka hat, die wir nicht kennen, z.B. Leveria, mit Kokoszucker gefüllte Stringhoppers!
Außerdem erzählte unser Freund John von einer Wanderung auf den Adam's Peak, den mit 2243 m zweithöchsten Berg Sri Lankas, auf dessen Gipfel sich ein buddhistisches Kloster befindet und wo je nach Religion eine Steinformation, die aussieht wie ein Fußabdruck, wahlweise als Adams, Buddhas, oder Shivas Fuß verehrt wird.
Dieser Berg ist übrigens auch der Ort des Geschehens in Arthur C. Clarkes Roman „The Fountains of Paradise“ (Deutsch: Fahrstuhl zu den Sternen), was ich tatsächlich erst bei der Recherche für meine Kurzgeschichte über den Weltraumaufzug entdeckt hatte! Ein Grund mehr also, die Wanderung auf 2242 m beim nächsten Sri Lanka Besuch anzutreten.
Nach einiger Planung brachen also meine Schwester, mein Vater und ich zusammen nach Sri Lanka auf. Gleich am Tag unserer Ankunft wurde wir von unserem Freund Chavi in einen Jeep eingeladen und ins Hochland gefahren, zu einem Bungalow in der Maskeliya-Teeplantage, von wo aus wir die Wanderung auf den Gipfel bei Vollmond beginnen durften. 
Die Entfernung von Colombo zur Teeplantage beträgt zwar nur ca. 140 Km, aber die Serpentinenstraßen im Hochland sind auch für Autofahrer sehr anstrengend und die schmalen, teils vom Regen ausgewaschenen, unbetonierten Wege in der Teeplantage sorgten dafür, dass wir schon vom Autofahren Muskelkater bekamen!
Im Bungalow angekommen, blieb gerade Zeit, uns umzuziehen und uns mit einen schnellen Tee mit Schokokuchen zu stärken, da ging es schon wieder los. Traditionell wandert man nachts auf dem Berg, so dass man den Sonnenaufgang auf dem Gipfel erlebt und möglichst auch beim Abstieg nicht an Hitzschlag stirbt. Von einem kleinen Ort namens Dalhousie führen 5200 (verschieden hohe) Stufen auf den Berg, und in der Saison kann man schon mal 9 Stunden brauchen, um nach oben zu kommen, weil die ganze Treppe voller Pilger ist, die einen riesigen Stau verursachen! Da wir außerhalb der Saison unterwegs waren und überdies die Eigentümer der Teeplantage auf ca. 1300 m Höhe kannten, durften wir eine Abkürzung durch den Dschungel nehmen und waren so schon nach knapp 3 Stunden auf dem Gipfel. Der erste Teil der Wanderung, durch den teilweise recht matschigen Dschungel, war zwar angenehmer zu gehen als die Treppenstufen später, wurde uns aber ein bisschen von Schaaren von Blutegeln erschwert. Ich hatte im Reiseführer etwas von Blutegeln gelesen, dachte aber, dass diese nur im Wasser unterwegs sind. Als ich plötzlich etwas glitschiges an meiner Hand hatte, es panisch wegschleuderte und mir dabei dachte, „hm, fühlte sich an wie ein Blutegel, aber wie sollte der an meine Hand kommen?“ leuchtete ich zum ersten Mal an mir herunter und entdeckte einige der Biester auf meinen Schuhen und an meinen Jeans. Entzückend! Fortan mussten wir also alle 5 Minuten an uns herunter leuchten und die lieben Egelchen entfernen. Ich hatte Glück und entging dem Schicksal, gebissen und angesaugt zu werden, aber manche von uns hatten auch Pech...
Wie eigentlich immer in Sri Lanka waren wir natürlich später dran als geplant, und so war es schon 4 Uhr, als wir loswanderten – der Sonnenaufgang war um 5:45 Uhr. Wir hatten es also von Anfang an ziemlich eilig und waren (trotz vermehrtem Egel-Check) nach einer guten Stunde schon bei einem Punkt, von wo aus wir den Gipfel sehen konnten. Da eine Wolke über dem Berg hing, sah es tatsächlich aus wie ein Berg, über dem ein Stern leuchtet – nur dass der Stern das Licht des Klosters war! 
Wir konnten erst nicht glauben, dass wir in einer weiteren guten Stunde dort oben sein sollten, aber es hat tatsächlich geklappt! :-)
Nach einem weiteren kurzen und steilen Stück durch den Dschungel kamen wir bei den Stufen an, von denen wir noch ca. 1200 bis zum Gipfel vor uns hatten. 
Während wir kletterten, ging die Sonne auf, netterweise auf der Seite des Berges, auf der wir uns befanden, so dass wir immer wieder anhalten und die Aussicht genießen konnten – eine willkommene Ruhepause bei diesen Stufen!




Der riesige See, den man unten im Tal sieht, ist das Reservoir der Maskeliya-Teeplantage und wird zur Energiegewinnung genutzt.
Auf dem Gipfel angekommen, mussten wir noch eine Weile auf den hinteren Teil unserer Gruppe warten und stellten fest, dass man dabei auf dem windigen Gipfel ziemlich schnell auskühlt! Die (unbeheizten) Räume des buddhistischen Klosters und den Schrein auf dem Gipfel darf man überdies nur ohne Schuhe betreten, so dass wir damit erst mal auf den Rest der Gruppe warteten. 
Eigentlich war der Plan gewesen, Sandwiches einzupacken, aber da wir so spät dran waren und es so schnell gehen musste, war unser einzige Proviant ein "Wandu Appa", eine Art im Blatt gebackene süße Dampfnudel, den wir in der Nacht zuvor an einem Straßenladen gekauft hatten. Ich vertrieb mir die Zeit also mit einem kleinen „Shoot the Food“.
Diese Inschrift in Singhalesischer Schrift sagt: "Sri Pada - bandena gata"und bedeutet soviel wie "Das Gebet des heiligen Fußes" - der heilige Fuß hat nämlich sein eigenes Gebet!

Leider konnten wir nicht an den hübschen Glocken klingeln, weil einige Mönche gerade am Beten waren. 
Dafür konnten wir noch ein bisschen die Aussicht genießen...
Hinter dieser Platte befindet sich die Felsformation, die aussieht wie ein Fuß - während der Saison ist das Gebäude geöffnet.


Nachdem wir einige Zeit auf dem Gipfel verbracht und abwechselnd gezittert und die Aussicht genossen hatten, setzen wir uns noch ein bisschen zusammen mit den lustigen Hunden in die Sonne.
Schließlich machten wir uns an den Abstieg - einer der lustigen Hunde lief uns bis ganz nach unten hinterher...erst die sich den Berg hinab schlängelnden Stufen hinunter...
 ...dann wieder zurück durch den Dschungel.
Der Abstieg war auch ziemlich anstrengend, aber zumindest war es jetzt hell, was den Blutegel-Check sehr vereinfachte! :-) Die Biester sind wirklich sehr gelenkig, oder?
Netterweise wurden wir wieder mit einem Jeep abgeholt und zu dem Bungalow gefahren, wo wir die nächsten Tage verbringen sollten.
 Bei Tageslicht sah man erst richtig, wie schmal die Wege in der Teeplantage waren...


Und zur Belohnung für die Anstrengung haben die dortigen Köche über Leveria bis Watalappam alle unsere Lieblings-Süßigkeiten aufgefahren :-)

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